Wir hatten gerade vor einiger Zeit ein jährliches Adoptionstreffen für thailändische Kinder und ihre Eltern. In dieser Zeit geht mir immer das Herz auf. Das Miteinander, Füreinander da sein, die Herzlichkeit sind sehr emotional. Und nicht nur bei mir löst es besondere Gefühle und Erinnerungen aus. Kinderglück hat in meinen Augen eine andere besondere Bedeutung durch eine Adoption.

Kinderglück – so sahen wir Adoptiveltern es zu Beginn

Meine beiden Männer, klein wie groß, sind gerade zum Schwimmen gefahren. Weil es heute hier in Strömen giesst. Wie kann das im Süden Deutschlands sein? Und im Norden wissen unsere Familie und Freunde kaum noch, wie es sich anfühlt, der kühle Guss von oben. : ) Und müssen anfangen, Wasser zu sparen. Verrückte Welt.

So nutze ich die Zeit, um über ein Thema zu schreiben, was ich sehr mag.

Über das Kinderglück.

Natürlich wird es unterschiedlich empfunden.

Wir Adoptiveltern haben aber wahrscheinlich ein anderes Bild vom Kinderglück: Irgendwann nach langer – ewig – langer Zeit ein Kind zu bekommen, das war für uns Eltern unser Kinderglück.

Auch wenn unser kleiner Junge schon zwei Jahre alt war, sicher stehen und gehen konnte und nur wenig Hilfe beim Essen brauchte.

Wir waren und sind immer noch Exoten in unserem Vorhaben Adoption. Keiner in unserer Familien oder bei unseren Freunden hat ein Kind adoptiert. Dort lief alles meist wie geplant.

Bei uns war es anders. Und deshalb freuen wir uns sehr, wenn wir das Kinderglück mit anderen Adoptivkindern und dessen Eltern teilen können.

Unser Adoptionstreffen ist eine große Portion Kinderglück

Einmal im Jahr wird ein Adoptionstreffen organisiert. Nur für Kinder aus dem Herkunftsland Thailand und ihre Adoptiveltern. Meist übernehmen ein oder zwei Elternpaare die Planung.

Es kann deshalb auch überall in Deutschland stattfinden. Dieses Mal war es zum Glück nicht ganz im Norden, sondern mittig. Gefahren sind wir trotzdem lange. Blöde Baustellen …  ; )

6-7 Stunden Anreise für ein kurzes Wochenende ist eigentlich viel zu lang. Aber für uns alle geht es um die gemeinsame Zeit. Und gerade auch für unseren Thaio. Er kennt die anderen Kinder nun schon seit einiger Zeit. Und hat Freude daran, sie wieder zu sehen.

Einen Jungen in seinem Alter, den Jay, hat er als seinen besten Freund gewählt. Die beiden sind ein Herz und eine Seele. Auch wenn sie mal streiten. Im nächsten Moment passt es wieder.

Was für andere Eltern so selbstverständlich ist, ist bei Adoptiveltern komplett anders. Für die meisten der Adoptiveltern geht das Herz auf, wenn sie die vielen tobenden dunkelhaarigen Kinder mit ihrer samtbraunen Haut beobachten.

Für uns Eltern ist das Kinderglück.

Mir steigen im ersten Moment immer die Tränen auf, wenn wir aus dem Auto steigen. Und die schon vorher angekommenen spielenden Kinder sehen. Große wie kleine Kids. Wann sich das wohl ändert?

Hoffentlich nie.

Denn ich möchte es immer wertschätzen, dass wir unseren Thaio haben. Wir wollen ihn nicht auf einen Sockel stellen, nicht in Watte packen.

Nein. Auf keinen Fall.

Aber es niemals als gegeben hinnehmen, so ein Glück gehabt zu haben. Und unsere eigene kleine Familie weiterhin haben zu dürfen. Schmerz und Kummer gab es vorher schon mehr als genug. Nun sind andere Gefühle dran. Nun sind wir dran : ) Mit dem Vorhaben Kinderglück.

Strahlende spielende und freudige Kinder zu sehen, die mit ihren Adoptiveltern für dieses Treffen aus allen Teilen Deutschlands angereist sind? Ein warmes Gefühl. Voller Freude, all diese Kinder mit einem gemeinsamen Nenner zu beobachten.

Und wenn Thaio Jay dabei entdeckt? Dann ist es ebenfalls Kinderglück pur.

Warum Adoptiv-Teenager trotz ihres Alters noch immer an dem Treffen Spaß haben

Bei diesem Treffen sind auch Kinder dabei, die von ihrem Alter aus allein zuhause bleiben könnten. Sie sind 16, 17 Jahre alt. Manchmal schon erwachsen.

Aber viele von ihnen kommen immer noch mit. Zu diesen regelmäßigen Treffen der emotionalen Art. Weil sie andere Freunde ihres Alters treffen, die ähnlich aussehen wie sie. Es verbindet sie einfach.

Nicht alle von ihnen interessieren sich noch sehr für ihre Vergangenheit. Aber sie freuen sich, sich wieder zu sehen. Denn oft ist es halt nur einmal im Jahr möglich, sich zu treffen. Neben der „social media“ Hilfe natürlich ; ).

Bei diesen großen Kindern begann es auch mal wie zwischen Thaio und Jay. Mit einer losen Freundschaft, die immer intensiver wurde.

Inzwischen bleiben die Teenager bei dem Adoptionstreffen meist länger wach als ihre Adoptiveltern. Oder sie gehen in die nächstgelegene Stadt, um zusammen Zeit zu verbringen. Ohne die kleineren Kinder oder Eltern. Verständlich. : )

So kommt es sicherlich auch irgendwann bei uns. In diesem Jahr wie in den nächsten ist es noch anders.

Wichtig ist bei Thaio noch das Fussball spielen, gemeinsam (und ganz wichtig: selbständig!) Eis kaufen und genießen und das Toben.

Spät abends fallen dann alle totmüde in ihre Betten. Nach dem Stockbrot-Grillen natürlich : )

kinderglück - abends grillen

Aber ausschlafen? Nicht dran zu denken. Selbst unser Langschläfer Thaio weckte uns mit einer klaren wachen Stimme und den Worten: „Ich bin fertig.“ Wohlgemerkt fertig mit dem Schlafen. Leider. Und dann: „Ich glaube, ich habe Jay gehört! Darf ich aufstehen?“ Um sieben. Aber genug gestärkt für das Spielen mit seinem besten Freund. „Na, dann los. Aber vorher anziehen, bitte.“ : )

Dieses Thema ist für jedes Elternpaar und ihr Adoptivkind überlebenswichtig

Die Gespräche zwischen den Adoptiveltern sind interessant. Manche Themen nimmt man auch speziell zu diesem Treffen mit.

Denn wo kann man sein Kinderglück und seine Sorgen besser teilen als hier? Bei dieser Veranstaltung versteht jeder jeden. Das ist ein schönes Gefühl. Und es gibt ein Verständnis. Gegenseitig und unausgesprochen.

Auf dieser Veranstaltung werden Vorträge organisiert. Dadurch nehmen wir immer noch einmal wichtige Themen für uns und unser Zusammenleben mit. Auch wenn wir denken, wir haben schon Vieles gelernt.

Dieses Mal ging es unter anderem über frühkindliche Bindungen.

Ein Thema, womit sich jedes Adoptiv-Elternpaar auseinander setzen muss. Trotz großem Kinderglücks. Denn eine Bindung bedeutet bei Adoptivkindern so viel mehr.

Und sie ist bei Adoptivkindern manchmal schwierig. Es ist nichts, was man als Tablette einnehmen kann.

Es gibt keinen Knopf, der Vergangenes ungeschehen macht.

Kummer, Traurigkeit und Wut sind manchmal in dem abgegebenen kleinen Mensch fest verschlossen. Und der Schlüssel ist hübsch versteckt. Unter vielen anderen Eigenschaften des Kindes. Suchen und Finden ist angesagt.

Nicht jedes Kind versteht und empfindet im ersten Moment: „Das sind meine neuen Eltern. Ich brauche keine anderen Bezugspersonen mehr. Ich kann mich auf sie jetzt immer verlassen. Sie werden jeden Tag für mich da sein. Ich bin endlich nicht mehr allein für mich verantwortlich.“

Selbst zwei Lebensjahre sind so gravierend. Und die ersten sind die wichtigsten. Sagt man. Diese Aussage macht Mut. ; )

Das Vertrauen muss langsam wachsen. So dass sich irgendwann hoffentlich das gemeinsame vertraute Familienglück einstellt.

Wenn ich daran denke, dann fühle ich meine anfängliche Unruhe wieder. In der ersten Zeit nach der Abholung kannten wir Thaio ja noch nicht. Und hofften einfach, dass es alles irgendwie klappt.

Für unser Kinderglück, unsere gemeinsame Zukunft.

Aber: Es kann alles gut werden. Nur Mut.

Eine Garantie gibt es übrigens nicht. Zumindest nicht für etwas Emotionales im Leben. Und übrigens auch nicht bei leiblichen Familien. Denn auch sie haben manchmal eine schwierige Zeit. Das ist das Leben. Irgendwie.

Warum Kinder auch allein mit ihren Väter Zeit verbringen sollten

Einige Wochen vor diesem Treffen war Thaio mit seinem Papi zelten. Auch das wird regelmäßig von einer Gruppe organisiert. Ein tolles Event.

Entstanden ist es aus einer Laune heraus. Väter aus dem früheren Kindergarten fahren noch immer zu einem Campingplatz und verbringen ein Wochenende zusammen.

Auf einer Insel mitten in einem See. Wunderschön. Sagen mir zumindest die Bilder. Denn wir Mütter sind nicht dabei.

Vorher werden die Campingsachen auf dem Dachboden inspiziert. Dann wird wichtig gepackt.
Wichtig, damit alles möglichst in eine noch kleinere Tasche passt.

Ich würde anders packen. Das ist klar. Mütter würden generell anders packen. Aber deshalb sind wir ja auch nicht dabei. Damit alles nicht so kompliziert wird.

Na, zumindest gibt es bestimmt den Gedanken. ; )

Kinderglück - Vater-Sohn-Zelten

Ich kann es verstehen. Lass sie nur machen. Denn Männer sind oft mit sehr viel weniger zufrieden. ; )

Ich glaube ja auch fast: Das Vater-Kinder-Gespann, was mit dem meisten Gepäck ankommt, hat eine Wette verloren. Und muss zwischendurch mal einen gesunden Salat essen.

Denn es ist per Fotos bewiesen, die manchmal wahrscheinlich eher unabsichtlich durchsickern: Es gibt ausschließlich Grillfleisch, Marshmellows und Nutella. Und Ketchup. Über Getränke spreche ich hier einfachheitshalber lieber nicht. : )

Aber auch das ist Kinderglück. Und von beiden Seiten aus. Freiheit pur.

Ich habe nur darum gebeten, Thaio nicht nur im Wasser zu lassen. Und bitte möglichst ohne Erkältung und gesund wiederzukommen. Auch gern beide.

Dirks Gesicht habe ich bei dieser Bitte vermieden anzusehen. Gefühlt hatte ich seinen Blick natürlich trotzdem auf mir: „Du übertreibst wieder sehr …“ grummel… Gesagt hat er nichts. Tapfer. ; )

Sie hatten viel Spaß zusammen.

Auch wenn ungesund gegessen, zu lange im Wasser gebadet wurde und kein Kind mehr als 6 Stunden schlief. Auch Väter mit 3 Kindern waren dabei. Hat anscheinend alles geklappt. Na, soweit wir Mütter informiert wurden. ; )

Egal. Ein Wochenende. Das schadet auf keinen Fall. Auf Bildern sieht man Nutella-verschmierte glückliche Kinder: Kinderglück pur. Darum geht es halt. Und das andere Leben mit der Seife kommt dann halt danach wieder.

Warum ich für dich über Kinderglück schreibe

Nun kommen sicherlich die zwei gleich vom Schwimmen zurück. Thaio hat bestimmt Einiges zu berichten. Und auch eine Menge Spaß gehabt.

Nächstes Mal bin ich wieder dabei. Aber heute war die Zeit nur für die beiden Männern sicherlich auch ohne mich schön gewesen. Ich habe Thaio ja viel öfter für mich. Ich gönne Dirk diese Zeit allein mit Thaio auch sehr. Mein tolles Vater-Sohn-Gespann.

Kinderglück - Ausflüge per Rad

Ha, und aufgehört zu regnen hat es auch, sehr schön! : )

Aber warum schreibe ich speziell über unser Kinderglück?

Ich möchte dir Mut machen, nicht nur auf andere Eltern und deren Kinder zu schauen. Und dich dadurch immer unglücklicher zu fühlen. Sondern deine eigene Familie zu planen. So weit es geht natürlich. Denn einfach ist es nicht immer. Aber eine Adoption ist nicht aussichtslos. Das höre ich von vielen Frauen, die mir schreiben. Und ich weiß es selbst. Durch unsere Erfahrung. Trotzdem:

Jede Frau hat ihre eigene Geschichte

Keine von ihnen möchte oder kann ich hier erzählen. Aber was ich berichten kann: Sie wagen es einfach. Sie trauen sich, diesen manchmal langen und unsichereren Weg der Adoption zu gehen.

Zu Beginn wissen sie nicht, ob alles wahr wird, was sie sich erträumen. Aber sie finden sich nicht mit ihrem Schicksal ab. Weil der Weg ohne Kind und ohne Kinderglück vielleicht schwerer zu ertragen wäre. So zumindest war es bei mir oder uns gewesen.

Eine Gewissheit hatten wir auch nicht. Aber irgendwann wussten wir von der Adoption. Und ab diesem Zeitpunkt wollten wir auf keinen Fall nur zuschauen, wie andere ihre Familien gründen. Wir wollten endlich selbst beginnen.

Wenn man etwas plant und unternimmt, dann vergeht die Zeit in dieser Situation sinnvoller. Und gefühlt und wie durch ein Wunder tatsächlich langsamer.

Wenn du nichts organisierst oder zielgerichtet ansteuerst, dann läuft die ungenutzte Zeit meiner Meinung nach viel zu schnell. Kostbare Zeit, die du bei einem Kinderwunsch nicht immer übrig hast.

So zumindest habe ich es empfunden. Und ich war froh, immer einen Schritt weiter in Richtung Adoption und zu unserem Kind zu gehen. Und weiter zu planen.

Wenn du aber anderer Meinung bist und denkst, es ist nicht dein oder euer Weg, dann ist es absolut in Ordnung. Denn natürlich solltest du hinter einer Idee stehen. Keiner wird dich dafür verurteilen. Vielleicht werden manche dich eher dafür bewundern.

Nur du selbst kannst entscheiden, was du möchtest und richtig für dich ist.

Wenn ich dir Mut machen, dir helfen kann oder einfach in einigen Sachen beistehen sollte, dann melde dich aber gern. Ich bin hier. : ) Durch meine Erfahrungen kann ich dich dann sicherlich in deinem Vorhaben „Familiengründung – Kinderglück“ hilfreich unterstützen.

Liebe Grüße an dich
Bärbel

 

(Bildquellen: „Kinderglück bei Ausflügen“: eigene Fotoaufnahme I „emotionales Adoptionstreffen „: eigene Fotoaufnahme I „Kinderglück – Zelten nur mit Papi“: eigene Fotoaufnahme I „Kinderglück – gemeinsam genießen“: eigene Fotoaufnahme)