Ein Kind adoptieren! Nach einer langen Kinderwunschreise dachten wie endlich an die Möglichkeit. Es war nicht immer leicht, aber es gab uns eine gute Aussicht auf ein eigenes Kind. Wir ließen uns auf diesen Weg ein. Es war wahrscheinlich unsere letzte Chance, irgendwann auch Eltern werden zu können. Die Wartezeit nutzen wir für spannende Projekte. Bis irgendwann unverhofft der Anruf kam.

Warum es für uns nicht möglich war ein deutsches Kind zu adoptieren

Endlich und sehr spät hörten wir von der Möglichkeit, ein Kind zu adoptieren. Zuerst waren wir auch bei dem Thema Adoption skeptisch. Welcher Weg war es – endlich unser Weg?

Vorher hatten wir verschiedenste Behandlungen ausprobiert. Von einer OP, Eizellenspende, Gedanken an eine Leihmutter. Es war alles erfolglos. Und wir waren zwischendurch mehr als traurig.

Wenn dir das bekannt vorkommt, dann hoffe ich, du nimmst dir etwas Zeit für die nächsten Zeilen. Vielleicht gibt etwas, was dir helfen kann. Denn: Du musst die Hoffnung auf ein eigenes Kind nicht aufgeben! Lies einfach weiter.

Wir nahmen Kontakt zum Jugendamt in Hamburg auf und konnten zeitnah an einer Informationsveranstaltung über Adoptionen teilnehmen. Und stellten fest, dass wir für eine Adoption in Deutschland zu alt waren. Ich war inzwischen 37 Jahre, Dirk ein Jahr jünger.

Die negative Information traf uns wieder einmal eiskalt: Es würden zu wenig Kinder zur Adoption freigegeben werden. In Hamburg waren es in diesem Jahr weniger als 15 Kinder, für die Eltern gesucht wurden.

Hier in dem Seminarraum saßen an diesem Nachmittag Eltern für weit mehr als die zu vermittelnden Kinder. Das kann doch alles nicht wahr sein! Und weil es so wenige Kinder gab, konnte man sich die potenziellen Eltern aussuchen.

Dabei wurde sich dann für die jüngeren Paare entscheiden.

Bitte?

So war es, denn laut Aussage der Sozialarbeiterin vor Ort war es für die Kinder besser so.

Ach so..

Ich war sehr enttäuscht. Mit meinen 37 Jahren empfand ich mich noch nicht zu alt. Aber ich durfte es ja leider nicht entscheiden.

Einigen anderen Paaren ging es wie uns, das konnte ich sehen. Und neben uns sahen wir auch das freudige Strahlen von den jüngeren „idealen“ zukünftigen Eltern. Ich hätte mich in ihrer Stelle auch sehr gefreut.

Wieder ein Weg, der für uns in ein Nichts hineinführte. Nun sind wir auch noch zu alt. Keine geeigneten Eltern mehr, weil wir zu viel Zeit mit anderen Kinderwunsch-Versuchen vertan hatten. Kann das alles sein?

Zum Glück wurde die Empfehlung für die Altersgrenze später um ein paar Jahre hochgesetzt. In unserem Fall allerdings war einfach es zu spät.

Eine Möglichkeit wurde uns noch mitgeteilt. Ein Pflegekind könnten wir aufnehmen. Allerdings gäbe es keine Garantie, es irgendwann als unser Kind adoptieren zu können. Und es könne den Eltern auch wieder zurückgegeben werden. Irgendwann. Wenn die Familiensituation der anderen Familie sich stabilisiert hätte.

Seltsam, dafür schienen wir nicht zu alt zu sein. Wir Kinderwunscheltern waren nach meinem Gefühl auf Platz Nummer zwei gerutscht. Die Möglichkeit, als Pflegeeltern ein Kind aufzunehmen, kam für uns nach den Informationen nicht infrage. Darauf konnte ich mich nicht einlassen. Es tat mir um die Kinder leid, die so schwer einen Platz in Pflegefamilien fanden.

Aber mir würde das Herz brechen, das Kind wieder gehen zu lassen. Womöglich nach Jahren. Nein. Leider und ganz klar nicht unser Ziel, auf diesem Weg Eltern zu werden.

Wie du dein Kinderwunsch-Ziel erfolgreich mit einer Adoption erreichen kannst

Es verging wieder einige Zeit. Leider. Ich war inzwischen 38 Jahre alt. Leider. Jeder Geburtstag war inzwischen kein so freudiges Ereignis mehr. Der Tag sollte lieber schnell vergehen.

Es war für Dirk, meinen Mann, nicht immer einfach, aber er versuchte, mir einen schönen Tag zu bereiten. Sorry. Im Nachhinein gibt es so viele Dinge, die mir leidtun. Nur weil das Thema so raumeinnehmend war. Und ständig im Kopf herumschwirrte.

Es war allmählich sehr einschränkend! Und so wirklich verstehen können es wahrscheinlich nur Paare, die einen großen Kinderwunsch verspüren. Wie wir.

Was denkst du, empfindest du es auch ähnlich? Dann weiß ich, wie du dich fühlst. Lies einfach in Ruhe weiter. Es bleibt spannend, auch für dich und deine Kinderwunschreise!

Kind adoptieren - Glas mit Glücks Bonbons

Bildquelle: Eigene Fotoaufnahme – „Glücksmomente mit unserem Adoptivkind“

Dann! Endlich! Sprach ich mit einer jungen Mutter, die vor einiger Zeit ein Baby adoptiert hatte.

Meine Freundin Sonja hatte den Kontakt hergestellt. Weil ich ihr inzwischen nach langer Überlegung meine Sorgen anvertraut hatte.

Anne, etwas jünger als ich, konnte ihr Wunschkind direkt nach der Entbindung in Amerika in den Armen halten. Ein Kind, was niemand in dem Land aufgrund seiner Mischlings-Hautfarbe haben wollte.

Sie konnte es direkt abholen? Was war das für ein besonderer Glücksfall! Ich dachte sofort an uns. Und die schöne Möglichkeit!

Allerdings merkte sie an, dass seit dem 01. April 2008 auch für die USA das Haager Adoptionsübereinkommen in Kraft getreten war. Es wurde dadurch schwieriger mit solcher direkten Vermittlung. Wenn es überhaupt noch möglich war.

Haager Adoptionsübereinkommen? Was war das? Ich hatte vorher davon noch nie gehört.
Als das Gesetz 1993 rechtsverbindlich wurde, war ich 23 Jahre und noch nicht bereit für meinen Familienwunsch.

Das Übereinkommen hatte den Hintergrund, dass zur Adoption frei gegebene Kinder zu ihrem Schutz erst einmal einige Zeit in ihrem Herkunftsland bleiben, damit dort für sie geeignete Bewerber gefunden wurden. Im Gesetz ist auch verankert, Eltern für ein adoptionsbedürftiges Kind zu finden und nicht umgekehrt. Und endlich wird mit diesem Gesetz  auch der Kinderhandel unterbunden.

Der Gedanke nahm und nimmt mich immer noch sehr mit: Hilflose Kinder, die sich auf alles einlassen müssen, was ihnen gegeben wird. Dass der Kinderhandel zum größten Teil mit diesem Gesetz verhindert wird, ergab für mich einen wirklichen Sinn.

Mit diesem Adoptionsabkommen haben die leiblichen Eltern auch nach einiger Zeit die Möglichkeit, sich doch noch für ihr Kind zu entscheiden. Was natürlich meistens der idealste Umstand wäre.

Wenn die Kinder, wie unser Adoptivsohn auch, in dieser ersten Zeit nicht vermittelt werden, dann ist es allerdings auch eine kostbare Zeit, die ungenutzt verloren geht.

Oft fehlt in solch einem Fall eine altersgerechte Förderung und der Aufbau von sozialen Bindungen, die die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühles mit sich bringen. Und das ist natürlich noch lange nicht alles. So weit, so gut.

Anne gab mir auch noch den Rat, so schnell wie möglich zu heiraten. Verheiratete Paare werden unverheirateten oft vorgezogen. Damit hatte sie Recht, wie ich nachlas. Gerade wenn es um eine Entscheidung zugunsten des Kindes geht. Oft ist es immer noch eine Grundvoraussetzung, um ein Kind adoptieren zu können. Besonders im Ausland.

Oje. Heiraten? Wie kann man das mal eben und so schnell planen? Wenn ich heiratete, konnte ich nicht ohne meine Familie feiern. Und ich wollte es auch nicht. Ich legte auf und war hin und hergerissen. OK, wie viele Hürden waren das jetzt per Telefon?

In unserem Urlaub schrieb ich spontan mehrere Adoptionsvereine an. Ich musste starten. Wenn nicht jetzt, dann nie. Die Zeit arbeitete zu schnell gegen uns.

Und wir planten unsere Hochzeit.

Eigentlich war ich immer eine überzeugte Ich-muss-nicht-heiraten-Freundin für Dirk. Und bisher war ich sehr zuverlässig darin. Aber es war für Dirk und mich auf einmal einer der schönsten Gründe zu heiraten: Um ein Kind adoptieren zu können. Und unsere kleine besondere Familie zu gründen.

Kind adoptieren - 3 Holzherzen

Bildquelle: Eigene Fotoaufnahme – „Die 3 Herzen unserer Familie“

Und in Höhen und Tiefen zusammen zu stehen.
Wer wusste schon, was da auf uns zukommen konnte?

Die Antwort einer der Adoptionsvermittlungsstellen kam zügig. Schneller als andere. Und dieser Adoptionsverein war es dann, mit dem wir zusammen arbeiten wollten.

Die Sachbearbeiterin sendete uns eine Einladung zu einem Informationstreffen. Ok, los geht’s – endlich ein neues Ziel vor Augen : ).

Der Verein befand sich in einer anderen Stadt. In Hamburg hatte ich keine für mich vertrauenswürdige Adoptionsinitiative gefunden. Wir fuhren hin und erhielten Informationsblätter. Unterlagen für das Vorbereitungs- und Überprüfungsverfahren wurden ausgehändigt. Fragen gestellt und beantwortet.

Es war eine Übersicht über das Bewerbungs- und Vermittlungsverfahren, wie diese Adoptions-Vermittlungsstelle es durchführte. Für uns war es ein guter Wegweiser, an dem wir uns entlang arbeiten konnten.

Was war wann zu organisieren. Hilfreich, weil es nach einer guten Struktur aussah. Viel Arbeit kam auf uns zu. Das stand fest.

Zwei wichtige Gründe, ein Kind über eine Adoptionsvermittlungsstelle zu adoptieren

Durch die Vermittlungsstelle hatten wir bald das Gefühl, nicht mehr allein für etwas zu kämpfen.

Wir fühlten uns gut.

1. Wir waren nicht zu alt für eine Auslandsadoption

2. Alle Antragsteller, die das Verfahren erfolgreich durchlaufen, würden ein Kind bei sich aufnehmen können!

Was für ein Ausblick!

Die Frage war halt nur, wie lange es dauern würde. Und das war sehr unterschiedlich, wie aus den Informationsbroschüren hervorging. In einigen Länder mussten beispielsweise die Adoptivbewerber mindestens 5 Jahre verheiratet sein, in anderen wiederum sollten die Adoptiveltern für den ersten Kontakt und das weitere Procedere für viele Wochen im Land bleiben.

Wir sprachen an, dass wir unsere Hochzeit noch im selben Jahr planen und dann die Heiratsurkunde sofort nachreichen wollten. Das stellte für den Verein kein Problem dar.

Uns lag Thailand am Herzen. Die Informationen, die wir über das Land hatten, fanden wir vorab reizvoll. Auch die Bedingungen waren für uns akzeptabel und die Kosten hielten sich im Rahmen. Die Wartezeit nach dem Einreichen der kompletten Akten betrug zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als 3 Jahre. Insgesamt dann 4 Jahre.

Für das Zusammenstellen der Formalitäten, psychologische Sitzungen, Termin bei dem Jugendamt wahrnehmen und einiges andere rechnete man ein Jahr. Wir mussten uns noch nicht entscheiden, ob es nun Thailand werden sollte. Das hatte noch Zeit.

Mir ging es jetzt schon nicht schnell genug. Die Geduldigste war ich noch nie. Aber jünger wurde ich halt auch nicht. Ich wollte einfach keine Zeit mehr verlieren! Wir hatten bisher so lange gewartet, Zeit vertan.

Wie du dein Ziel, ein Kind adoptieren zu können, zuverlässig erreichst

Im Dezember heirateten wir in einem familiären Rahmen. Nur 3 Monate nach dem Gespräch mit Anne, der erfolgreich- glücklichen Adoptiv-Mami. Die große Feier sollte dann ein Jahr später stattfinden.

Wir reichten unsere Heiratsurkunde zusammen mit der Antragstellung nach, die für die Adoption so ausschlaggebend war. Die Antragstellung beinhalteten u.a. ärztliche Atteste, polizeiliche Führungszeugnisse und weitere Dinge. Deutschland war und ist da genau.

Der ausführliche Lebensbericht, den wir schreiben mussten, verlangte Fleißarbeit. Aber wir waren motiviert. Und deshalb voll bei der Sache.

Unsere Freunde und Familien wussten nichts von der geplanten Adoption eines Kindes. Wir wollten es ihnen erst sagen, wenn wir sahen – es ging nichts mehr schief!

Dann wurden Dirk und ich bei unseren zukünftigen Beratungseltern eingeladen. Es folgte ein freundlich-informatives Gespräch, an dem mehrere Adoptivbewerber teilnahmen. Die Paare, die sich als Beratungseltern „ausbilden“ ließen, hatten selbst eine oder mehrere Kinder adoptiert. Sie wussten also von den Problemen, die für die Paare bei Adoptionen auftreten konnten.

Wir hatten insgesamt zwei Gespräche zu führen, damit sich die Beratungseltern ein Bild machen konnten. Dann endlich die tolle Nachricht: Wir wurden als Adoptionsbewerber in das Bewerbungsverfahren aufgenommen und durften weiter hoffen!

Die letztendliche Entscheidung wurde erst nach dem Einreichen des Sozialberichtes des Jugendamtes und der Auswertung des psychologischen Gutachtens gefällt.Für den Sozialbericht gab es noch einen Termin beim Jugendamt und ein folgender bei uns zuhause.

Ich backte einen leckeren Kuchen. Die Sozialarbeiterin war nett und sie mochte den Kuchen.

Trotz der ganzen Rückschläge sagten wir uns immer wieder, dass wir es einfach schaffen werden. Und starteten gedanklich in unsere Familiengründung!

Unser letzter Plan zu unserem Adoptivkind, der erfolgreich in Erfüllung gehen sollte

Es folgte Sitzung bei einem Psychologen. Insgesamt zwei Stunden lang.

Dirk und ich wurden gemeinsam, aber auch getrennt über unser Leben befragt.
Das Gespräch war nicht immer einfach.

Sich intensiv mit seiner Vergangenheit zu beschäftigen, war zeitweise ein wenig speziell. Und es wurde viel nach einem „Warum“ gesucht, wo es für uns keinen Grund gab. Das fand wiederum der Psychologe manchmal eigen.

Aber scheinbar konnten wir gut mit unserer Familiensituation umgehen. Und die Vergangenheit mit einigen schwierigen Punkten so stehen lassen, ohne dass es sich negativ auf das zukünftige Familienleben als Adoptiveltern auswirken würde.

Sehr gut und: wir konnten weitermachen. Kein aus dem Rahmen fallen. Zum Glück!

Wie viele Bewerberpaare diese schwierige Zeit wohl gerade durchlaufen, frage ich mich jetzt in diesem Moment. Und bereit sein müssen, sehr Vieles offen zu legen, um es vor anderen Leuten sichtbar zu machen.

Zu verstehen ist es eigentlich nur, wenn man den Schutz des Kindes vor Augen hält. Wie viel Kummer und Enttäuschung hält eine zarte Kinderseele aus? Es sollte nach der schwierigen Zeit im Kinderheim schlicht die idealen Adoptiveltern bekommen.

Leider ist nicht alles auszuschließen, denn welche Eltern sind schon perfekt? Durch das Adoptiv-Verfahren wird Einiges an Informationen herausgefiltert. Das ist natürlich notwendig. Auch wenn ich es nicht immer während der Zeit so entspannt und reflektiert sehen konnte.

Besonders wenn man händeringend auf wichtige Termine bei Ämtern wartet. Damit man nicht noch in die Sommerpause rutscht und sich alles nach hinten verschiebt.

Ab und an habe ich mich gefragt, warum nicht auch die leiblichen Eltern vorab das Procedere durchlaufen müssen. Zum Schutz des Kindes. Aber mit solchen Gedanken kam ich natürlich auch nicht wirklich weiter. Wenig hilfreich, also ausblenden.

Endlich gab es die Entscheidung über den Adoptionsantrag. Wir wurden angenommen! Danke!!

Nun ging es nicht mehr darum, ob wir gute Adoptionseltern sein würden. Das stand nun fest verankert in unseren für die Adoption zusammengestellten Dokumenten. Wir hofften, wir waren es auch bei allen Situationen, die kommen würden.

Wir wurden zu einem Abschlussgespräch in die Adoptionsvermittlungsstelle eingeladen und besprachen weitere Schritte, die gegangen werden mussten. Jetzt sollten wir uns auf ein Herkunftsland unseres zukünftigen Kindes festlegen. Woher sollte unser Kind kommen? Wir hatten Thailand gewählt, ein persönliches Bauch-Gefühl.

Um ein Kind bald in unseren Elternarmen zu halten, mussten wir sorgfältig und zeitnah sämtliche Papiere für das ausgesuchte Herkunftsland Thailand liefern. Keine gute Aufgabe für Ungeduldige. Aber so war es nun mal.

Kind adoptieren - Adoptionsverfahren

Bildquelle: Pixabay – „Notwendige Behörden-Absprachen um unser Kind adoptieren zu können“

Dirk war allerdings sehr gut darin, Absprachen mit Behörden zu treffen. Und deshalb übernahm er es größtenteils wegen seiner stets zuvorkommenden Art. Ich bewunderte ihn, dass er immer sehr gelassen bleiben konnte. Auch, wenn die Person auf der anderen Seite vom Telefon blockierte.

Wir stellten Papiere zusammen, ließen Dokumente beglaubigen, holten Referenzen ein. Und brauchten dafür ca. ein halbes Jahr.

Man musste auch leider die Zeit für die Bearbeitung der Unterlagen an fremder Stelle einrechnen. Das hatte ich unterschätzt. Und das machte mich teilweise unruhig. Verständnis für das ständige Warten hatte ich mal mehr und mal weniger.

Als der gesamte Ordner in die englische Sprache übersetzt wurde, war es eine stattliche dicke Mappe geworden. Der Adoptionsverein überprüfte unsere Unterlagen mit allen Dokumenten auf Vollständigkeit. UND: schickte sie dann im August 2011 nach Thailand. Damit wie endlich unser Kind adoptieren konnten.

Weg waren sie. Ob sie ankamen, konnten wir nur hoffen. Das alles noch mal in Angriff nehmen, weil die Mappe es mit den vielen originalen und hart erarbeiteten Dokumenten nicht bis nach Thailand geschafft hatte? Darüber wollten wir lieber gar nicht nachdenken. Bloß nicht.

Nun konnten wir nichts mehr machen. Es war soweit geschafft und nun musste entschieden werden, zu welchem Kind wir passen könnten. Durchschnittlich dauerte es jetzt noch ca. zwei Jahre. Zwei lange Jahre. Und unser zukünftiges Adoptivkind war noch nicht einmal geboren worden.

Dirk hatte dann nach einem Jahr einen anderen Job in Frankfurt angenommen, er zog um und wir pendelten ein halbes Jahr zwischen zwei Städten. Wir hörten nichts von einem Kind. Und warteten tapfer. Es war nicht zu ändern.

In der Zwischenzeit hatten wir Thailand bereist. Es war ein tolles besonderes Erlebnis mit sehr freundlichen Menschen.

In dieser Zeit fragten wir uns einige Male, wo unser Kind wohl lebt. Und ob wir vielleicht schon in seiner Nähe waren. Wir boten auch an, Unterlagen nach Bangkok mitzunehmen. Aber diese Hilfe wurde durchschaut und freundlich abgelehnt. Sicherlich aus gutem Grund ; ).

Im Flugzeug auf dem Weg von Thailand nach Hause sahen wir dann tatsächlich einige Eltern mit ihren zukünftigen Adoptivkindern. Der Unterschied zwischen Eltern und den Kindern war offensichtlich. Sie flogen in ihre gemeinsame Zukunft. Manche waren noch sehr klein. Und zuckersüß! Ich hatte sie sehr beneidet!

Kamen die Kinder aus dem gleichen Kinderheim?

Als dann tatsächlich irgendwann unerwartet ein Anruf von der Adoptionsvermittlungsstelle mit einem Kindervorschlag kam, konnte ich unser Glück kaum fassen! Es folgen per E-Mail ein Arztbericht und: Fotos!

Ein süßer einjähriger kleiner Junge zeigte sich auf den Bildern. Thaio hieß (heißt : ) er.

Ob wir den Jungen annehmen wollten? Was für eine Frage! Wir sagten sofort zu. Und hatten Tränen in den Augen. So hübsch und so klein! Er hatte die hübschesten Augen, die ich jemals gesehen hatte. Und er wartete auf uns, weil sich keine potentiellen Eltern aus Thailand gefunden hatten, die ihn als Kind adoptieren wollten. Ein Glück für uns!

Es passte alles. Er war gesund und lebte seit seiner Geburt in einem Kinderheim in Bangkok. Thaio hatte keinen verwirrenden Wechsel von einer Kinderheimwelt in die nächste und damit kein neues Kennenlernen von fremden neuen Bezugspersonen hinter sich! Er war seit 2011 auf der Welt.

Zu dem Zeitpunkt hatten wir seit Längerem mit Vorbereitungen der Adoption begonnen. Unglaublich. Vom konkreten Kinderwunsch einmal abgesehen!

Nun würde es laut Adoptionsvermittlungsstelle noch ca. 6-9 Monate dauern. So lange musste er noch dort im Kinderheim bleiben. Es war schwer für uns, aber wir wussten, dass es so gehandhabt wurde. Also – weiter warten, bis der Anruf kommt und wir reisen durften.

Aber dann würde es direkt nach Bangkok gehen! Ohne Verzögerung!

Ein Paket stellten wir für unseren kleinen Jungen zusammen. Von Kuscheltier, Fotobuch mit Bildern von uns und unserer Familie bis zu einer Spieluhr, bestickt mit seinem Namen war alles dabei. Wir hofften, er konnte damit eine schöne Zeit verbringen.

Warum du die Zeit vor der Adoption sinnvoll nutzen solltest

Es wurde ein neues Thema in der Firma eingeführt: Sabbatical. Nach 14 Jahren, die ich in der Firma arbeitete, war es eine tolle Chance und inspirierende Abwechslung. So entschied ich mich, in dieser nächsten Zeit noch einmal für ein halbes Jahr in die USA zu gehen. Es war die beste Zeit, noch etwas zu unternehmen, was danach unmöglich wurde. Zumindest eine ganze lange Zeit.

Ich hatte immer schon den Wunsch, noch einmal für einige Zeit im Ausland zu leben. Im Nachhinein hätte ich es nicht besser machen können. Von der Zeit passte es genau.

Auch Dirk hat in der ersten Zeit in Frankfurt viel gearbeitet. Mit einem kleinen Zwerg an unserer Seite wäre es für ihn sicher ein Zwiespalt gewesen.

Nach unserer Reise und bei unserem Abschied, den wir in und auch von unserer Hamburger Wohnung feierten, hatte ich dann auch endlich von unserem kleinen Jungen Thaio erzählt. Und die süßen Babybilder zeigen können. Wir werden ein Kind adoptieren!!!

Es war sehr erleichternd, von unserem emotionalen Ziel zu erzählen:

Wir freuten uns so sehr auf die nächste Zeit. Und auf eine Zukunft, ein Kind zu adoptieren, eine Familie zu werden.

Auch, wenn unsere nächste Zeit nicht in Hamburg bei unseren Freunden und Familien war. Nun kam endlich das herbeigesehnte Enkelkind und wir zogen weg. Eigenartig war es. Und schade auch. Die Ablenkung USA war da sehr willkommen. Und auch Dirk hatte in dem Moment anderes im Blick. Er investierte viel Zeit in seinen neuen Job.

Es gab endlich ein weiteres Lebenszeichen – wir bekamen eine CD mit vielen Fotos und Filmen. Ich sah mir die Aufnahmen in den USA an, Dirk in Frankfurt. Unser zukünftiges kleines Adoptivkind konnte jetzt schon laufen! Er wurde auf einer großen Spielfläche gefüttert, während andere Kinder spielten. Und war fröhlich!

Es kommt vor, dass in Kinderheimen weibliche Schulklassen hospitieren. So zeigte eine andere Situation Thaio mit einer Schülerin.

Sie hatte ihn auf dem Arm. Ich war etwas eifersüchtig. Auch wenn Dirk und ich in dieser Zeit getrennt voneinander waren, freuten wir uns beide auf eine sehr bald kommende gemeinsame Zeit zusammen mit unserem kleinen Fratz.

Die Fotos hatte ich seit Thaios Ankündigung immer bei mir. Wie lange würde es denn jetzt noch dauern, bis unser Kinderwunsch in Erfüllung ging?

Es brauchte tatsächlich dann noch zähe 11 Monate, länger als vorausgesagt. Ein Personalwechsel verursachte die Verzögerung. Wir konnten die verlängerte Zeit nicht verstehen, nur hinnehmen. Thaio feierte seinen 2. Geburtstag deshalb leider noch nicht bei uns.

Nur 2 wenige Wochen später konnten wir ihn dann endlich abholen! Es war der spannendste Tag meines Lebens! Kaum zu beschreiben, wie er mit uns die ersten Tage in Bangkok verlebt hatte.

Und kaum zu beschreiben, wie unser Adoptivsöhnchen mit uns nach Frankfurt reiste und sich eingewöhnte, Spielgruppen besuchte und uns immer besser verstand. Und wir ihn.

Nun ist Thaio schon fast fünf Jahre bei uns. Die Zeit vergeht so schnell. Er hat sich sehr gut eingelebt und ist gut integriert. Thaio hat viele Freunde, mit denen er spielt. Bald geht er dann in die Schule, ein nächster Abschnitt für uns alle.

Obwohl sein Lebensweg so anders und fremd begann, ist er nun ein deutscher Junge. Ein tolles für uns sehr besonderes Kind mit außergewöhnlich hübschen Augen. Erinnern kann Thaio sich nicht mehr an seine erste Zeit. Wir dafür umso besser! : )

Es war eine sehr aufregende erste Zeit, aber irgendwann begann natürlich auch mit diesen spannenden Erlebnissen irgendwann der Alltag.

Trotzdem vergessen wir nie, welches Glück wir hatten, den Weg der Adoption zu entdecken. Und ich empfehle diese Möglichkeit sehr trotz zeitlich intensivem und bürokratischem Aufwand. Dieser Aufwand lohnt sich nämlich wirklich : ) …

Für uns, wie auch für viele andere früher kinderlose Paare, führte er zu einem besonderen Familienglück. Für dich vielleicht auch?

Ein lieber Gruß an dich

Bärbel