Nach einer langen Wartezeit der Auslandsadoption durften wir endlich unseren zukünftigen Adoptivsohn abholen. Nach einigen schnellen Vorbereitungen flogen wir Pflegeeltern nach Bangkok, um unseren kleinen Jungen aus dem Kinderheim zu uns zu nehmen. Die emotionale Erfahrung von Thaios Abholung überstieg bei Weitem unsere Vorstellungen. Wir konnten die erste Begegnung erst einige Zeit später richtig begreifen. Thaio ließ sich voll und ganz auf uns ein. Er kam mit seinem ganzen Vertrauen tapfer zusammen mit uns in unsere andere Welt.

Wie du durch meine Erfahrungen gut vorbereitet vor dieser schwierigen Situation stehst

Da standen wir nun als künftige Pflegeeltern. Im Gespräch mit der Heimleitung in Bangkok und direkt vor der Abholung unseres Pflegekindes Thaio. Bald hoffentlich unser Adoptivsohn! Endlich!!

Aber wir befanden uns auch vor vielen Fragen, die wir uns nicht überlegt hatten.
Kein Moment für ein langes Nachdenken.. Hätten wir das gewusst, dass noch Zeit für Fragen war …

Dafür gab es kein Vorbereitungsseminar beim Jugendamt. Oder bei der Adoptionsvermittlungsstelle.

Thaio war nun erst einmal unser Pflegekind. Und wir die ab jetzt umsorgenden Pflegeeltern. Erst etwas später und dann in Deutschland konnten wir ihn bei der thailändischen Botschaft und nach thailändischem Recht adoptieren.

Die Adoption nach deutschem Recht zur Volladoption kam noch einige Zeit später.

Nun aber schnell überlegen, so lange wir hier noch Fragen stellen konnten. Ob Thaio Allergien hat, wie oft und wie lange er schläft?

Wir hatten andere Kleidung für ihn mitgenommen. Musste er die Kleidungstücke, die er gerade trug, wechseln, bevor wir ihn mitnahmen? Nein, zu seinem Glück und damit für sein Wohlbefinden nicht.

Es gab tatsächlich Kinderheime, die Kleidung der späteren Adoptivkinder gern behalten möchten. Oder eher müssen. Das lässt ahnen, wie wenig den Kinderheimen an finanziellen Mitteln zur Verfügung stehen.

Über die Ernährung hätten wir eindeutig mehr erfragen sollen. Was aß Thaio? Wie kam er mit seinen kleinen Mitmenschen aus, wie mit den großen?

So sollten wir während des gemeinsamen Aufenthaltes in Bangkok noch das Krankenhaus kennen lernen. Aber das ist eine andere Geschichte. Und nun war der lang erhoffte Moment endlich gekommen.

Wir durften ihn sehen! Mir war flau im Magen – irgendwie heiß und kalt zugleich.

Wird unser Pflegekind zu uns gebracht? Wie es in anderen Büchern stand?

In den Büchern, aus denen wir über andere Adoptionen als Vorbereitung gelesen hatten. Und: Würde er fremdeln? Einen von uns Pflegeeltern gleich zu Beginn ablehnen, einen bevorzugen?

Wir wurden durch das Kinderheim zu einer großen Spielfläche geführt. Vorbei an kleinen hellblauen Gitterbettchen, die aneinander gereiht standen.
Wenn hier ein Kind krank wurde, sind sicherlich alle anderen Kinder ebenso betroffen.

Vielleicht wurde in Thaio Arztbericht deshalb eine häufige Einnahme von Antibiotika vermerkt. Einer hustet – alle husten. Mehr habe ich später nur auf unseren Fotos gesehen: Ich hatte in dieser Zeit keinen wirklichen Blick dafür.

Dann ging es durch eine offene Tür.

Bunt und laut war unser erstes Treffen mit unserem Pflegekind

Eine Kinderpflegerin sang. In meinen Ohren zu laut und grell, was sicherlich an meiner angespannten Stimmung lag.

Sie hatte in je einem Arm ein kleines Kind, das sie schaukelte.
Die Kinder fühlten sich wohl, das sah ich. Und es waren so viele süße kleine Pflegekinder!

Manche bekamen etwas zu essen. Es ging wohl der Reihe nach.

Wir setzen uns auf eine kleine abgrenzende Steinmauer. Ich hatte für diesen Moment nur unwichtige Gedanken. War mein Rock zu kurz? War ich angemessen gekleidet? Was für Gedanken! Aber an die erinnere ich mich seltsamerweise auch noch nach den ganzen Jahren.

Wie unsicher wir als zukünftige Pflegeeltern auf einmal wurden! Die Situation war einfach zu emotional! Vielleicht war es ein eigener Schutz, um den Stress zu bewältigen.

Welche Antwort für euch als Pflegefamilie am Wichtigsten sein wird

Eine sehr dringende Frage hatte ich. Vor dieser Situation, während des Wartens. Und die konnte mir keiner vorher beantworten.

Wonach duftete Thaio? Stimmt die Chemie zwischen uns? Was ist, wenn er uns nicht mochte? …

Kein Vorbereitungsseminar der Welt hätte uns darauf eine Antwort geben können. Wir hofften inständig, dass wir für unseren Thaio die für ihn richtigen Voraussetzungen mitbrachten!

Wie ich die ersten Minuten mit unserem Pflegekind erlebt hatte

Thaio wurde von einer Kinderpflegerin auf dem Arm zu uns gebracht. Er hatte andere Kleidung an und wurde mir vorsichtig auf den Schoss gesetzt. Er war so zierlich, so leicht. Und viel viel hübscher als auf den Fotos!

Kleiner Thaio!

Und? Er duftete sooo gut. Nach Kleinkind. Nach Babypuder. Wer jemals kleine Kinder auf dem Arm hatte, der vergisst diesen zarten Duft nicht mehr.

Und um dieses zuckersüße Adoptivkind durften wir ab jetzt kümmern? DANKE! : ))) Wer auch immer es so entschieden hat – wie selig waren wir jetzt darüber!

Und wir hatten auch eine Bewunderung für Thaios leibliche Mutter, die es zugelassen hatte, dass andere Eltern sich kümmern durften. Es muss so schwer gewesen sein. Das Abgeben von Thaios „Bauchmama“ gleich nach der Geburt empfinde ich immer noch als eine große Stärke.

Nun genoss ich den Moment sehr. Sehr!

Dirk machte Fotos und Filme. Es war eine Absprache mit unserem Adoptionsverein. Damit die zukünftigen Adoptiv-Familien auch Bilder von ihren kleinen Pflegekindern erhalten. So haben wir damals auch welche bekommen.

Aber wie schwer war es in diesem Moment! Wo wir nur Augen für unseren Thaio hatten. Ich war Dirk sehr dankbar, weil er es übernahm. Und ich mich nur noch auf den kleinen Fratz auf meinem Schoss konzentrieren konnte. Danke noch einmal dafür! : )

Neben mir saß eine junge blonde Frau, die an diesem Tag im Kinderheim hospitierte. Sie sprach viel mit mir.

Ich wusste nichts von ihr. Hatte sie eigene leibliche Kinder? Oder wartete sie selbst irgendwann auf ihr Pflegekind?
Sie hatte nur gute Worte für uns. Für mich allerdings zu viele.

Ich wollte es allein mit Dirk genießen, der endlich wieder an unserer Seite war. Unserer!

Ab jetzt waren wir zu dritt!!!

Es war für uns noch nicht wirklich vorstellbar. Das Familienleben mussten wir doch noch erst üben! Was man nicht kann. Natürlich nicht. Ganz oder gar kein Familienleben. Na, wir wollten es auf jeden Fall ganz, mit allem, was dazu gehörte : ).

Warum wir uns auf den Abschied von der Heimleitung sehr freuten

Die Heimleitung bat darum, nach ungefähr anderthalb Stunden Bescheid zu geben, wenn wir meinten, wir wären soweit, Abschied zu nehmen.Und wenn wir meinten, Thaio wäre soweit, ein neues Leben außerhalb des Kinderheimes zu beginnen.

Pflegeeltern - Hand des Adoptivkindes auf seiner Kleidung

Bildquelle: Eigene Fotoaufnahme – „Kleidung von uns als Pflegeeltern“

Wie konnten wir es für ihn entscheiden?

Wir sagten nach ungefähr 1 Stunde Bescheid, weil wir auch beginnen wollten mit unserem neuen Leben als Familie. Obwohl wir natürlich wussten, dass es nicht immer leicht werden wird. Essen, Schlafen, Spielen, Kontakt aufbauen, Ängste abbauen.

Und: eine gute, stabile, vertrauensvolle gegenseitige Beziehung aufbauen. Auch das mussten wir üben.

Es wurde ein Taxi für uns gerufen, was dann relativ schnell kam. Wahrscheinlich kannte man das Procedere und das Taxi hielt sich in der Nähe bereit. Wir stiegen ein. Voller Vorfreude auf das, was uns jetzt als künftige Pflegeeltern erwartete. Und zeitgleich mit einer Unsicherheit, was nun auf uns zu kommen würde.

Wie wird man von einer Minute auf die andere Mutter eines zweijährigen thailändischen Pflegekindes, dass kein Wort Deutsch sprach?

Wir waren nun Pflegeeltern – aber sprachen außer ein paar Begrüßungsworte kein Thailändisch.

Ich muss voller Bewunderung für Thaio sagen, dass er ohne zu zögern ganz allein mit uns in unser Taxi gestiegen und in eine unbekannte Zukunft gefahren war.

Nur mit seiner kurzen roten Hose und seinem blauen T-Shirt mit einem Teddy darauf. Und barfuß. Schuhe gab es nicht.

Warum unser Adoptivsohn viel mutiger war als seine Pflegeeltern

Unser zukünftiges Adoptivkind wusste sicherlich noch nicht viel, weil er erst zwei Jahre alt war. Aber er hatte bestimmt eine Veränderung gespürt. Vielleicht ging es auch das erste Mal in seinem Leben nur um ihn.

Und wir, Dirk und ich, hatten immer alles gehabt als nur unseren Vornamen. So viel mehr. Manche sagen, er kann glücklich sein, nun bei uns alles zu bekommen, was ihm vorher fehlte.

Wir denken, dass es selbstverständlich sein müsste, als Kind alles zu haben, was es braucht. Und es darf kein Glücksfall sein, sondern eine Normalität. Thaio hat nun nach seiner großen Reise auch endlich alles, was jedem Kind zusteht, nämlich ein Familienleben mit allem, was dazu gehört. Endlich.

Dieser Abschnitt auf unserer Kinderwunsch-Reise ist einer, der uns emotional sehr überwältigt hat. Ich denke, dass es in diesem Blog nicht so beschrieben werden kann, wie wir die Situation tatsächlich erlebt hatten.

Versucht habe ich es dennoch.

Um dich in unsere traumhaften Erlebnisse mitzunehmen und dir zu zeigen, dass auch der Weg einer Adoption eine sehr schöne Möglichkeit ist, eine – deine – Familie zu bekommen.

Wenn du es nicht schon getan hast, dann denke auch über diese Idee nach. Für uns war es endlich der Weg aller Wege.

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… Und wenn du Fragen dazu hast, schreib mir einfach. Ich bin für dich und neue Ideen da.  🙂

Ein lieber Gruß an dich

Bärbel